19.01.2016

19. Januar 2016 AG Contra Erweiterung Godorfer Hafen - Kommentar zum Entwurf eines Stadtentwicklungskonzepts Logistik Teil 1: Analyse, Trends und Handlungsempfehlungen; Stand November 2015


was einmal als Masterplan für die Logistik Kölns und der Region gedacht war, ist zu einer unübersichtlichen Anhäufung von Daten und Wertungen verkommen.

Laut Beschlussvorlage 3348/2015 vom 22.12.2015 soll der Rat der Stadt Köln in der Sitzung am 2. Februar 2016 die Leitlinien und Handlungsempfehlungen des Stadtentwicklungskonzepts  (StEK) Logistik beschließen.

Das vorliegende Konzept weist dermaßen gravierende Mängel auf, dass es unmöglich als Grundlage für eine künftige strategische Steuerung der Kölner Logistik herangezogen werden kann.  Die Mängel treten sowohl auf strategischer Ebene und Detailebene auf.

Zusammengefaßt ist das vorliegende Kölner "Logistikkonzept 2015" eine fatale und peinliche Fehlleistung.

Im beigefügten Kommentar ist eine detaillierte Analyse zum Stadtentwicklungskonzept Logistik Teil 1: Analyse, Trends und Handlungsempfehlungen; Stand November 2015 dargelegt.

 

Kommentar:

Kölner "Logistikkonzept 2015" eine fatale und peinliche Fehlleistung 

Laut Beschlussvorlage 3348/2015 vom 22.12.2015 soll der Rat in der Sitzung vom 2. Februar 2016 die Leitlinien und Handlungsempfehlungen des Stadtentwicklungskonzepts  (StEK) Logistik beschließen. Es ist der Rats- Beschlussvorlage als Anlage beigefügt.

Hintergrund – Anstoß zu der Konzeptanalyse gab ein Ratsauftrag vom 2. Februar 2010.  Darin beauftragt der Rat der Stadt Köln die Verwaltung, "...die notwendigen Schritte für ein regional ausgerichtetes Logistikkonzept einzuleiten, das alle Verkehrsträger berücksichtigt, und bei Inanspruchnahme des Verkehrsträgers Straße die einhergehenden Umwelt- und Verkehrsbelastungen auf ein Minimum reduziert" (Quelle: Ratsbeschlussvorlage 3348/2015, S. 3). Seither sind ungewöhnlich lange 6 Jahre vergangen, in denen die Verwaltung unter Mithilfe externer Logistikberater und eines sogenannten "Logistikforums" aus zahlreichen Vertretern von Logistikwirtschaft, Verwaltung und Politik über wahrlich ausreichend Zeit verfügten, ein diesen Zielen und den realen Rahmenbedingungen entsprechendes fachlich fundiertes Konzept zu erarbeiten.

Empfehlung – Das vorliegende Konzept weist dermaßen gravierende Mängel auf, dass es unmöglich als Grundlage für eine künftige strategische Steuerung der Kölner Logistik herangezogen werden kann.  Die Mängel treten auf zwei Ebenen auf:

 

1. Strategische Ebene: Das Konzept spricht die fundamentalen Langfristtrends, die mit hoher Wahrscheinlichkeit in den kommenden 20 Jahren auf die Kölner Logistik einwirken, überhaupt nicht an. Die echten logistischen Herausforderungen  -  und schon gar mögliche Lösungen, welche Stadt und Region entsprechend zukunftsfähiger machen könnten, - werden vollständig ausgeklammert. Das Konzept ist insoweit eher zum Schaden als zum Nutzen der Stadtentwicklung und daher von äußerst begrenztem Wert für die Setzung strategischer Prioritäten und den sachgerechten Einsatz knapper Ressourcen zur Weiterentwicklung der Logistikinfrastruktur Kölns und der Region.

2. Detailebene:  Am Beispiel Godorfer Hafen kann gezeigt werden, dass auch handwerkliche Defizite bestehen, d.h. Zusammenhänge und Daten relativ willkürlich in den Raum gestellt werden und so zu fragwürdigen Ergebnissen führen.

Begründung

1. Nach unsäglich langer sechsjähriger Bearbeitungszeit für ein "Stadtentwicklungskonzept Logistik" liegen eher kurzsichtige und kleinteilige Antworten auf Probleme von gestern auf dem Tisch - aber nicht für morgen. Das Konzept basiert weitgehend auf einem statischen Scenario, d.h. Fortschreibung bestehender Trends mit leichten Anpassungen. Dies könnte die Stadtgesellschaft in die trügerische Sicherheit wiegen, die heutigen gemäßigten Trends seien weitgehend auf die Zukunft übertragbar. Zwar fallen an einer Stelle Stichworte wie "Globalisierung", "Digitalisierung" und "Produktionsstrukturen" bzw. "Industrie 4.0" (s. StEK, S. 14). Diese werden jedoch nicht vertieft und schon gar nicht hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf  die künftige Infrastruktur und Stadtentwicklung und die nötigen Optimierungsschritte  herausgearbeitet. 

 

2. Die heute sich deutlich abzeichnenden  Strukturveränderungen  hätten zwingend in einem Logistikkonzept berücksichtigt werden müssen: Speziell im Verkehrsbereich zeichnen sich  revolutionäre Veränderungen ab. Zur Illustration einige Beispiele:

 

  • Elektrifizierung des Straßenverkehrs: Eine hochwahrscheinliche Veränderung ist die Umstellung des KFZ-Bestandes auf elektrischen Antrieb in den kommenden 20 Jahren. Der Straßenverkehr vollzieht damit die Elektrifizierung der Bahn  in den 50er Jahren nach.

Auswirkungen:

Der  bisherige ökologische Nachteil des Straßenverkehrs hinsichtlich Geräusch- und Schadstoffemissionen gegenüber Schiff und Bahn entfällt. Die Vorteile der Straße hinsichtlich Pünktlichkeit und Direktverbindung von Abfahrts- und Ankunftsstelle kommen stärker zum Tragen.

Der Verbrauch fossiler Brennstoffe wird drastisch sinken und damit auch Kapazitäten eingeschränkt  für die Produktion  (Raffinerien) und  den Transport (LKW, Schiffe, Kesselwagen, Umschlagsanlagen wie Häfen).

  •  Digitalisierung des Straßenverkehrs: Eine hohe Wahrscheinlichkeit hat auch die Umstellung auf autonomes Fahren.

Auswirkungen: LKWs nutzen die Fahrbahnen besser aus. Fahrerlose Personen-Mietwagen werden deutlich kostengünstiger und lösen nicht nur die heutigen teuren Taxis sondern auch das Halten von Privatwagen ab, die heute zu 90 % stillstehen, unnötig Kapital verschlingen und Unmengen  von Parkflächen beanspruchen. Diese werden dann für andere Nutzungen verfügbar (Rad- und Fußwege, Freiflächen). Die PKW-Produktion und die der Zulieferer sinkt massiv.

  •  3-D-Druck: Diese auch "additive Fertigung" genannte industrielle Technologie ist noch in den Startlöchern, hat jedoch das Zeug, auf mittlere Sicht herkömmliche Fertigungs- und Logistikstrukturen vor allem auch auf internationaler Ebene umzukrempeln.

Auswirkungen:. Produkte bzw. ihre Dateien können über digitale Netzwerke verteilt und dann an beliebigen globalen Standorten "gedruckt"  werden. Der bisher notwendige physische Transport von zentral hergestellten Massengütern kann entfallen, ganz abgesehen von den Möglichkeiten der schnelleren Anpassung für Produktveränderungen oder für die individuellere Gestaltung. Dies reduziert die globalen Transportmengen.

 

3. Auch auf Detailebene werden Sachverhalte und Strukturen wenig realitätsgerecht dargestellt. Dies zeigt allein schon das Beispiel Hafenausbau in Godorf:

A . Fälschliche Alternativlosigkeit von Godorf: Obwohl in der Logistikregion Köln 5 Umschlagsterminals für Container - ohne Godorf - erweitert bzw. neu gebaut wurden (Eifeltor und  Bonn 2012, Köln-Nord 2015) oder die Erweiterungen geplant ist (Fortsetzung Umrüstung Niehl und Ausbau Evonik-Hafen Lülsdorf) und sich damit die Gesamtkapazität der Region von 2010 bis 2030 auf 3 Mio. TEU verdoppelt , erwähnt das Konzept nur die  beiden  "Kölner" Häfen in Niehl und Godorf (Abb. 5, S. 19) und signalisiert damit fälschlich die Alternativlosigkeit von Godorf.


B . Ãœberholte Marktprognose: Obwohl sich lt. Bundesverkehrswegeplan 2015 in der BRD der Containerumschlag bis 2030 nur noch verdoppeln wird, unterstellt das Konzept eine Verdreifachung wie noch im früheren Bundesverkehrswegeplan 2007.

 

 

 

AktionsgemeinschaftContra Erweiterung Godorfer Hafen

Dieter Neef                   Helmut Feld